„Auf dem Flyer stand: Rufen Sie an und sprechen Sie mit einem Experten“, sagt er.
Ich bleibe ruhig. „Da sind Sie bei mir genau richtig. Für welchen Tarif haben Sie sich entschieden?“
Ein Knurren am anderen Ende. „Weiß ich nicht. Deswegen rufe ich ja an.“
Also beginne ich von vorn. Bedarf klären, Fragen stellen, führen. Es zieht sich. Er antwortet knapp, ausweichend. Erst nach und nach wird es konkreter.
Er lebt allein in der Wohnung, sagt er. Braucht stabiles Internet. Fernsehen. Surfen.
„Dann empfehle ich Ihnen Glasfaser 150 und einen passenden Router“, sage ich.
„Das reicht niemals“, fährt er dazwischen. „Ich will die 300er Leitung. Damit meine Frau zufrieden ist.“
Ich halte kurz inne.
„Dann sind Sie zu zweit im Haushalt, nicht allein“, sage ich ruhig. „Schildern Sie mir doch kurz, was genau Sie brauchen.“
Es ist ein kleiner Satz. Eine Routinefrage. Aber sie öffnet etwas.
Er räuspert sich. Und dann erzählt er.
Seine große Liebe lebt in Thailand. Eine Fernbeziehung. Um ihr seine Loyalität zu beweisen, fährt durch seine Wohnung ein Roboter. Mit Kamera. Sie kann jederzeit sehen, was er tut. Wenn das Internet schwankt, bleibt das Bild stehen. Dann gibt es Streit.
Unterwegs ist es nicht anders. Sein Handy sendet seinen Standort. Immer. Ein GPS-Tracker. Sie weiß, wo er ist. Rund um die Uhr. Abends telefonieren sie. Video. Kontrolle in Echtzeit.
Ich sage nichts.
In mir formt sich ein Gedanke, drängt nach oben:
Das ist keine Nähe. Das ist Überwachung.
Ein zweiter folgt sofort:
Und wenn es für ihn Liebe ist?
Ich höre ihn weiterreden. Höre die Anspannung in seiner Stimme. Die Angst, etwas falsch zu machen. Die Angst, sie zu verlieren.
Ich spüre Widerstand in mir. Enge.
Ich bin ein Mensch, der Freiheit braucht. Luft. Räume, in denen niemand zusieht.
Und er baut sich ein System, in dem es genau das nicht gibt.
Für einen Moment möchte ich etwas sagen. Ihn fragen, ob er sich selbst noch sieht in diesem Konstrukt. Ob Vertrauen nicht anders funktioniert.
Aber ich tue es nicht.
Stattdessen nicke ich stumm, obwohl er es nicht sehen kann, und bleibe in meiner Rolle.
„Dann ist die 300er Leitung sinnvoll“, sage ich. „Für stabile Verbindung auf mehreren Geräten.“
Er atmet hörbar auf.
Wir gehen die letzten Schritte durch. Tarif, Router, Vertragsdetails. Routine kehrt zurück. Struktur. Sicherheit.
Am Ende bedankt er sich.
Das Gespräch endet.
Die Leitung ist still.
Ich sitze noch einen Moment da, das Headset auf dem Kopf, und starre auf den Bildschirm.
Irgendwo wird bald ein Roboter durch eine Wohnung fahren.
Und eine Verbindung wird stabil genug sein, damit jemand jederzeit zusehen kann.
Ich habe dafür gesorgt.
Entschieden hat er sich selbst.