Morgens

Ich trete in mein Büro. Höre die Uhr an der Wand ticken. Punkt 8 Uhr öffne ich mein E-Mail Postfach. Darin die Nachricht: „Ihre Masseurin massiert zu schwach. Schicken Sie uns eine, die stärker massiert.“
Ich presse meine Unterlippe an die Oberlippe und runzle die Stirn.
Ich atme ein.

Mittags

Ich gehe an einem Behandlungsraum entlang. Es riecht nach ätherischen Ölen. „Geben Sie mir jederzeit Bescheid, wenn der Druck zu stark oder zu schwach ist“, höre ich durch die verschlossene Tür.
Mein Atem geht ruhig weiter.
Ich gehe weiter.

Nachmittags

Ich mache mich auf den Weg in die Loge. Kaffeegeruch zieht mir in die Nase. Zwei Angestellte unterhalten sich. „Melissa geht mega einfühlsam mit den Kunden um. Ihren Gesprächseinstieg werde ich mir merken“, schwärmt einer.
Ich nicke.
Mein Atem bleibt gleichmäßig.

Abends

Ich schaue auf meinen Laptop und öffne die Email.
Ich zögere, beginne zu tippen, lösche einen Satz.
Dann schreibe ich den Namen unserer Therapeutin bewusst aus.
Anschließend klingen die Tasten hart im Raum.
Ich lese einmal drüber und die Maus wandert zum Button „Senden“.
Ein tiefer Atemzug folgt und ich schicke die Nachricht ab.
Anschließend drucke ich Formulare mit der Aufschrift: „Ich freue mich über ihr Feedback“.
Der Drucker läuft.
Ich höre ihn.
Mein Atem bleibt flach.
Ich atme bewusst tiefer ein.
Für einen Moment wird es stiller.
Ich halte inne.
Noch einen Atemzug länger.
Ich spüre, dass ich morgen wieder bewusst handeln kann.
Weiter geht’s.