It’s not the end
Ich sitze in der Arztpraxis.
„Hannelose ist gestern an Krebs gestorben. Schrecklich. Sie hat so gelitten“, sagt eine ältere Patientin.
Ich sitze da, beobachte.
Mein Atem ist leicht.
Dann stockt er kurz.
Meine Mundwinkel sinken.
Mehr nicht.
*
Ich sitze an meinem Arbeitsplatz.
„Wie geht es dir?“, fragt eine Kollegin.
Ihre Augen suchen nach etwas, das ich ihr nicht geben kann.
„Das muss doch furchtbar für dich sein, als Frau keine Oberweite mehr zu haben.“
Ich halte inne. Atme ein.
„Was macht eine Frau ohne Brust weniger zur Frau?“
Stille.
Sie bleibt bei ihr.
*
Ich sitze daheim vor meinem Tablet.
Tippe. Stoppe. Tippe weiter.
Im Browser steht: „Mein Leben mit Krebs“.
Fünf Leser am Tag.
Eine bewundernde Reaktion.
Ich lese sie nicht noch einmal.
Es ist nicht wichtig, wer zuhört.
Wichtig ist nur, dass es gesagt wird.